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[Off-ICMC] DAS WERDEN [NICHT] STÖREN.

Installationen und Performances: Transition | Tension | Potential
Worauf richten wir unsere kollektive Aufmerksamkeit? Was ist Signal – was ist Noise? Welche Kräfte bleiben verborgen?
Im Januar 2026, kurz nachdem Sturmtief Elli in Hamburg zu erheblichen Einschränkungen geführt hatte, traf Sturm Kristin Portugal mit außergewöhnlicher Wucht. Mit extremen Windgeschwindigkeiten, großflächigen Stromausfällen, Todesopfern, Verletzten und massiven Schäden an Wäldern und Infrastruktur wurde Kristin zu einem Ereignis, das im Kontext einer sich verschärfenden Klimarealität lesbar wird. Dennoch werden solche Ereignisse häufig medial vereinzelt dargestellt, statt als Teil größerer ökologischer Zusammenhänge wahrgenommen zu werden. Die Millionen durch Kristin gefällter Bäume, insbesondere in der Region Leiria, verweisen nicht nur auf Zerstörung, sondern auch auf Kräfte, die bestehende Ordnungen sichtbar machen, verschieben oder destabilisieren.
Die vier Vitrinen des Kunstvereins Harburger Bahnhof zwischen Gleis 3 und 4 bringen diese scheinbar voneinander getrennten Ereignisse zusammen und entfalten ein offenes Gefüge aus Materialien und Prozessen.
Die Arbeiten beschäftigen sich dabei nicht nur mit ökologischer Veränderung, sondern auch mit der Frage, wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Vorstellungskraft entstehen. Welche Möglichkeiten bleiben unsichtbar oder ungenutzt? Welche Fähigkeiten braucht es, um mit Unsicherheit und Widersprüchen umgehen zu können?
Die vier ortsspezifischen Interventionen entstanden im Kontext des Sustainable Theater Labs als multidisziplinäre künstlerisch-forschende Versuchsanordnung zum Umgang mit Unsicherheit. Sie sind der Versuch, Zustände des Übergangs sichtbar zu machen und gängige Erzählungen zu hinterfragen. Im Zentrum der Arbeit steht die Spannung selbst: Der Bogen, gefertigt aus Sturmholz aus Portugal, erscheint dabei nicht als funktionales Objekt, sondern als Zustand potentieller Energie: Der gespannte Bogen verweist auf einen Zustand zwischen Aufmerksamkeit, Ausrichtung und möglicher Handlung. Doch der Pfeil bleibt abwesend.
Ein Metronom stimmt (nicht) mit den Rhythmen eilender oder wartender Reisender überein. Geräusche und Bewegungen des Bahnhofsraums werden Teil der Intervention. Die Transitzone fungiert dabei nicht nur als Ausstellungsort, sondern als aktiver Resonanzraum.
In einer Welt permanenter Informationsproduktion, medialer Wiederholung und konkurrierender Narrative beginnen sich die Grenzen zwischen Bedeutung und Störung zu verschieben. Organische und synthetische Prozesse treffen aufeinander – als zwei Dynamiken in unterschiedliche Richtungen: Eine helle, bildschirmartige Oberfläche aus Styropor wird nach und nach von TenebrioMolitor, Mehlwürmern, zerfressen und verdunkelt sich zu einer dystopischen Landschaft aus Zerfall und langsamer Zersetzung. In der benachbarten Vitrine wird ein dunkler Bildschirm langsam von einem wachsenden weißen Netzwerk aus Wurzeln durchzogen. Bohnen und grünes Gras wachsen über den Rahmen hinaus.
Unterschiedliche Zeitlichkeiten und Prozesse der Transformation werden gleichzeitig sichtbar.

Marlene Behrmann sammelte früh Bühnenerfahrung an Theatern wie dem Harztheater, der Deutschen Oper Berlin und dem Theater Freiburg. Sie studierte klassischen Gesang, Literaturwissenschaft und Kulturmanagement in Freiburg, Paris und Hamburg. Berufliche Stationen führten sie unter anderem zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, zur Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette, ans Institut für Kulturmanagement Weimar und ins Forschungsprojekt Experimental Concert Research. Lehrtätigkeiten übernahm sie in Musik, Kulturmanagement und Deutsch als Fremdsprache. Als Performerin und Produktionsleiterin war sie unter anderem mit dem Babylon Orchester Berlin aktiv. Ihre Forschung widmet sich der Rolle von Ästhetik und dem societal impact of performing arts in der Großen Transformation. Sie interessiert sich besonders für interdisziplinäre, performative und forschungsbasierte Formate. Im ligeti zentrum ist sie für das Sustainable Theater Lab tätig.
Über die ICMC & Off-ICMC
Die International Computer Music Conference (ICMC) kommt nach Hamburg-Harburg. Seit über 50 Jahren kommen jedes Jahr Künstler:innen, Musiker:innen und Wissenschaftler:innen aus aller Welt zur ICMC zusammen, um das Zusammenspiel von Musik mit digitalen Technologien zu erforschen. Vom 11. bis 16. Mai 2026 findet die Off-ICMC statt: das kostenlose Begleitprogramm rund um das Thema „Musik in unserer digitalen Zeit“. Hier geht es zur Programmübersicht.
Auch ausgewählte Konzerte, Workshops und Installationen der Konferenz sind für die Öffentlichkeit zugänglich!