Musik programmieren: In diesen Workshops lernst du, wie das geht
Mit Musik und Coding verbinden die meisten zwei komplett verschiedene Welten. Und doch lassen sich diese Welten zusammenführen. Das Zauberwort lautet „Sonic Pi“. Dabei handelt es sich um ein kostenfreies Programm, mit dem sich Musik am Computer schreiben lässt. Wie es funktioniert und wie sich Sonic Pi auch im Musik- oder Informatikunterricht einsetzen lässt, vermitteln Michel Blümel (Agentur für Vermittlung und gesellschaftliche Teilhabe) und Dr. Simon Linke (InnoLab) in zwei anstehenden Workshops – für Anwender:innen und für Lehrkräfte. Hier geben sie einen ersten Einblick.
ligeti zentrum: Seit rund einem Jahr veranstaltet ihr Workshops zu Sonic Pi. Was hat es mit dem Programm auf sich?
Michel Blümel: Sonic Pi ist ein Programm, mit dem man Klänge programmieren kann. Man schreibt also Code, der Klänge triggert und verfremdet und sie zusammen oder im Loop klingen lässt. Sonic Pi bietet uns eine Ebene, auf der wir Klänge notieren.
Simon Linke: Ich betrachte den Prozess von der anderen Seite. Für mich handelt es sich um eine Sprache – Befehle, die man dem Rechner gibt. In der klassischen Programmiersprachenwelt startet man oft mit einem Befehl wie „Schreib mir das Wort ‚Hallo‘“. Und dann erscheint auf dem Bildschirm „Hallo“. Das fand ich früher furchtbar langweilig.
Bei Sonic Pi passiert quasi dasselbe: Ich gebe einen Befehl an den Rechner, aber der spielt dann eben Töne ab. Wenn ich es besonders gut mache, entstehen Rhythmen oder sogar ganze Lieder.
Sonic Pi
Sonic Pi ist ein kostenfreies Musikprogramm, das für den Kleincomputer Raspberry Pi entwickelt wurde. Das Programm funktioniert neben dem Pi auch auf anderen Computern mit Linux, Mac-OS, oder Windows als Betriebssystemen. Für die eigentliche Klangsynthese setzt Sonic Pi auf SuperCollider.
Sonic Pi bietet eine praktische Art zu lernen, wie man mit dem Computer kommuniziert
ligeti zentrum: Inwiefern unterscheidet sich Sonic Pi von anderen Programmiersprachen?
Simon Linke: Sonic Pi bietet eine praktische Art zu lernen, wie man mit dem Computer kommuniziert. Es handelt sich um ein Werkzeug, das ich nicht nur des Programmierens wegen nutze, sondern um ein klangliches Resultat zu erzeugen, das mir gefällt. Der Aha-Moment, in dem man zu verstehen beginnt, was man da gerade macht, tritt ziemlich schnell ein. Und dann hat man tatsächlich Möglichkeiten, die man in der klassischen Musik nicht hat. Ich kann mit Sonic Pi zum Beispiel Stücke schreiben, die so schnell oder schwierig sind, dass sie ein Mensch nicht mehr spielen könnte.
Michel Blümel: Wer die Basics klassischer Programmiersprachen erlernt, startet oft bei Textausgaben oder einer blinkenden LED-Lampe. Aber dann bleibt meist die Frage: Was nun?
Das Schöne an Sonic Pi ist, dass unmittelbar etwas passiert. Direkt ab der ersten Zeile Code kann ich mir das Resultat anhören und das dann anreichern, verändern und erweitern – von einem Ton bis zu einem vollständigen Lied. Durch die direkte Reaktion von Klang merken die meisten recht intuitiv, was sie durch den entsprechenden Code als nächstes umsetzen wollen.
Das Schöne an Sonic Pi ist, dass unmittelbar etwas passiert. Direkt ab der ersten Zeile Code kann ich mir das Resultat anhören und das dann anreichern, verändern und erweitern – von einem Ton bis zu einem vollständigen Lied
ligeti zentrum: Was erwartet die Workshop-Teilnehmenden in der MINT-Woche und auf dem PLAY Festival?
Michel Blümel: Mit den Workshops möchten wir einen Impuls geben. Die eigentliche Arbeit mit dem Programm – das detaillierte Musizieren – findet im Anschluss zuhause statt. Dank eines riesigen Hilfebereichs und etlichen Tutorials im Internet ist Sonic Pi ein ideales Selbstlernprogramm. Wir wollen einen Anstoß dazu geben, das auszuprobieren.
Simon Linke: Es geht uns dabei auch darum, jungen Menschen, Erwachsenen und Lehrkräften die Hemmschwelle zu nehmen. Viele glauben, das eine oder andere – musizieren oder programmieren – nicht zu können. In den Workshops gucken wir uns die Grundkonzepte an, wie man einen Hip-Hop-Beat baut zum Beispiel.
Man kann im Informatikunterricht genauso Musik machen, wie man im Musikunterricht programmieren kann
ligeti zentrum: Ihr richtet euch im Rahmen der MINT-Woche erstmals explizit an Lehrkräfte.
Michel Blümel: In unseren bisherigen Workshops konnten wir viele positive Erfahrungen sammeln und ausprobieren, was gut funktioniert. Dafür sind Lehrkräfte die perfekten Multiplikatoren.
In der Schule müssen sich Fächer wie Musik eigentlich immer gegen andere behaupten. Derweil ist Informatik in Bundesländern wie Hamburg mittlerweile ein Pflichtfach für Schüler:innen ab der 7. Klasse. Wir möchten zeigen, dass es diese starre Grenze zwischen den Disziplinen eigentlich gar nicht braucht. Man kann im Informatikunterricht genauso Musik machen, wie man im Musikunterricht programmieren kann. Deswegen laden wir zu unserem Workshop während der MINT-Woche gleichermaßen Musiklehrkräfte und Informatik-Lehrkräfte ein.
MINT-Woche | Workshop für Lehrkräfte: Musik programmieren mit Sonic Pi
19. November 2026, 16–19 Uhr
In diesem Workshop arbeiten wir uns Schritt für Schritt durch die wichtigsten Funktionen von Sonic Pi und schreiben Code, der Melodien, Klänge und Rhythmen erzeugt. Vorkenntnisse braucht es keine. Die Fortbildung vermittelt Grundlagen und versteht sich bewusst als Ausgangspunkt für die Entwicklung individueller Unterrichtsideen und Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Schulformen und Fächern.
Bescheinigung: Lehrkräfte, die sich über das TIS-Portal anmelden, erhalten eine Fortbildungsbescheinigung. Alternativ bekommen Sie eine Fortbildungsbescheinigung vom ligeti zentrum ausgestellt.
Weitere Informationen: MINT-Woche | Workshop für Lehrkräfte
Anmeldung: TIS-Portal oder Pretix
ligeti zentrum: Diese Art der interdisziplinären Zusammenarbeit ist im ligeti zentrum gang und gäbe. Wie ist eure Kooperation zu Sonic Pi entstanden?
Michel Blümel: Der grundsätzliche Kern vom ligeti zentrum ist die Idee, miteinander ins Gespräch zu kommen. Somit sind Simon und ich im stetigen Austausch über die unterschiedlichsten Fragestellungen und Ideen. Als Teil der Agentur beschäftige ich mich aus pädagogischer Sicht mit dem Ideen- und Wissenstransfer. In Bezug auf Sonic Pi hatte ich die Idee für ein Workshopformat und bin auf Simon zugegangen, weil er die inhaltliche Expertise mitbringt.
Simon Linke: Wenn es darum geht, eine Idee klanglich darzustellen, ist Sonic Pi eine super Sache. Da kann ich meine Ideen schnell reintippen und mir sofort anhören, ob es wert ist, die Richtung weiterzuverfolgen. Im Moment benutze ich Sonic Pi vor allem im Zusammenhang mit der Dance Booth, einem reaktiven Tanzboden, bei dem sich die Musik an das Tempo der Tanzenden anpasst.
In den Workshops mit Michel geht es derweil weniger um eine konkrete Forschungsfrage, die wir zusammen bearbeiten. Stattdessen vermitteln eine Methode, die wir in unserer täglichen Arbeit regelmäßig verwenden und die auch aus pädagogischer Sicht interessant ist.
Der grundsätzliche Kern vom ligeti zentrum ist die Idee, miteinander ins Gespräch zu kommen
ligeti zentrum: Sind Vorkenntnisse nötig, um an den Workshops teilzunehmen?
Michel Blümel: Es hilft natürlich, ein paar Grundkenntnisse in einer der beiden Disziplinen zu haben – oder zumindest ein Interesse in einem dieser Felder. Das kann als Ausgangspunkt dienen: ob man jetzt also am Beispiel von Musik programmiert oder am Beispiel von Code musiziert.
Simon Linke: Grundsätzlich muss man vor allem zuhören können. Am Ende des Tages lernen die Teilnehmenden eine neue Programmiersprache kennen. Um mitzumachen, muss man also nur neugierig sein und Lust haben, mithilfe von Code Musik zu machen.
ligeti zentrum @ PLAY Festival: Workshop: Code, Play, Music
21. November 2026, 16–18 Uhr
In diesem Workshop zeigen dir Dr. Simon Linke (InnoLab) und Michel Blümel (Agentur für Vermittlung und gesellschaftliche Teilhabe), wie du das Programm Sonic Pi zum Komponieren eigener Musik nutzen kannst.
Weitere Informationen: Workshop: Code, Play, Music
Anmeldung: PLAY Festival