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Walker Smith, ein selbstspielendes Drumset und das wohltemperierte Periodensystem

Von Mitte Juni bis September war der US-amerikanische Komponist und Forscher Walker Smith zum Gast im ligeti zentrum | Foto: Nadine Schwalb

Walker Smith, ein selbstspielendes Drumset und das wohltemperierte Periodensystem

Im Sommer 2025 begrüßte das ligeti zentrum den US-amerikanischen Komponisten und Forscher Walker Smith als Gastwissenschaftler in Hamburg. Gefördert durch das Graduate Research & Internship Program in Germany (GRIP) verbrachte Smith mehrere Monate in Harburg – und entwickelte hier eines seiner bislang ambitioniertesten Projekte weiter: „The Well-Tempered Periodic Table“.

2025 sei die mit Abstand produktivste und spaßigste Sommer seines Lebens gewesen, schreibt der US-amerikanische Komponist und Forscher Walker Smith in einem Blogpost für das Europe Center der Stanford University. Smith ist Doktorand am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) im Bereich Computer-Based Music Theory and Acoustics. Als Gastwissenschaftler im ligeti zentrum verbrachte Walker Smith im vergangenen Sommer mehrere Monate in Hamburg-Harburg und entwickelte hier sein Projekt „The Well-Tempered Periodic Table“.

Roy G. Biv ist die spektrale Verkörperung von Walker Smith, der von Mitte Juni bis September zu Gast im ligeti zentrum war. Als weltweit erster Musik-Chemiker stellt er Fragen wie: Ist das Periodensystem ein Musikinstrument? Feiern Helium-Atome Partys?

Wenn chemische Elemente zu Klängen werden

Im Zentrum von Smiths Arbeit steht sein „Interactive Musical Periodic Table“. Ausgangspunkt ist die wissenschaftliche Tatsache, dass jedes chemische Element ein einzigartiges Emissionsspektrum besitzt – also eine charakteristische Verteilung von Lichtfrequenzen. Diese Frequenzen übersetzt Smith mittels Datensonifikation in hörbare Klangfrequenzen. Das Ergebnis: Für jedes Element entsteht ein eigener Akkord, eine eigene musikalische Identität.

Während seines Aufenthalts am ligeti zentrum entwickelte Smith aus diesen Frequenzen eigenständige mikrotonale Skalen. So entstanden musikalische „Tonarten“ der Elemente – etwa ein Blues in der „Tonart Wasserstoff“ oder ein Jazzstück im „Helium-Modus“.

Den Höhepunkt bildete eine 90-minütige multimediale Performance mit Mehrkanalton, Lichtdesign, akustischen und elektronischen Instrumenten, Spoken-Word-Elementen – und einem selbstspielenden Schlagzeug.

Das „Magical Chemical Drumset“

Ein zentrales Ergebnis des Ideentransfers am ligeti zentrum war das sogenannte „Magical Chemical Drumset“. Inspiriert durch Gespräche mit Ingenieur:innen aus dem Bereich der Haptik experimentierte Smith mit Transducern – Resonanzkörpern, die Schwingungen direkt auf Instrumente übertragen.

Er platzierte solche Schwingungswandler auf Trommeln und speiste die Klänge seiner Element-Sonifikationen in ein akustisches Drumset ein. Zusätzlich installierte er unter jeder Trommel farblich abgestimmte Lichtelemente, deren Farben dem jeweiligen Emissionsspektrum – etwa von Wasserstoff – entsprechen. Das Ergebnis war ein visuell-akustisches Instrument, das chemische Prozesse sinnlich erfahrbar macht: Klang wird Licht, Licht wird Rhythmus.

Improvisation zwischen Wissenschaft und Jazz

In seinem Abschlusskonzert kombinierte Smith das selbstspielende Schlagzeug mit Klarinette und Gitarre. Gemeinsam mit dem Jazzgitarristen und Forscher Kieran McAuliffe (InnoLab) improvisierte er über die mikrotonalen Skalen verschiedener Elemente. Ein eigens entwickelter Pitch-Detection-Algorithmus koppelte gespielte Töne in Echtzeit an das Lichtsystem: Wurde ein Ton aus der „Wasserstoff-Skala“ gespielt, reagierten die Lichter unmittelbar in der entsprechenden Spektralfarbe. Sogar das Publikum wurde eingebunden – dessen Gesang steuerte ebenfalls die Lichtfarben im Raum.

Als Hauptinstrument nutzte Smith das Lumatone, ein frei programmierbares mikrotonales Keyboard, auf dem er seine Element-Skalen abbildete und zugleich Klang und Licht kontrollierte.

Internationale Resonanz

Smiths Projekt erhielt auch internationale Aufmerksamkeit: Seine „Interactive Musical Periodic Table“ wurde bei der AudioMostly Conference in Portugal mit dem Best Installation Award ausgezeichnet. Zudem erschien ein Beitrag über seine Arbeit im Rahmen der Initiative Innovative Hochschule. 

Walker Smiths finale Lecture Performance „Das wohltemperierte Periodensystem“ vom 3. September 2025 kann nun in Gänze gestreamt werden:

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