SPIIC+
Das 2018 gegründete Projekt SPIIC+ betätigt sich im Feld der Critical Improvisation Studies mit künstlerischer Improvisation als einer grundlegenden ethischen Haltung, sozialen Interaktionsgestaltung und universellen ko-kreativen Methode. Dem aus Studierenden verschiedener Studiengänge zusammengestellten SPIIC+ Ensemble kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Im ligeti zentrum baut SPIIC+ auf einem breiten Portfolio öffentlichkeitswirksamer Konzerte und Veranstaltungen auf und setzt diese fort.
Das Akronym SPIIC+ steht für Social Performance, Interdisciplinary Improvisation & Creativity und beschäftigt sich als Teilprojekt des Artistic Research Labs mit künstlerischer Forschung im Feld der ‘Critical Improvisation Studies’ – und damit in einem hochaktuellen und dynamischen Feld transdisziplinärer künstlerischer und sozialer Forschung und Praxis.
Im Zentrum von SPIIC+ steht die theoretische und praktische Exploration der Improvisation - wobei Improvisation gleichzeitig als künstlerische Produktionsmethode, soziale Interaktionsform und eine universelle ko-kreative Methode verstanden wird. Ausgehend von der Annahme, dass diese Aspekte wesentlich miteinander verwoben sind, erforscht SPIIC+ künstlerische und soziale Kreativität als ein ganzheitliches Phänomen, das nur mit den Mitteln einer transdisziplinären künstlerischen Forschung in seiner vielschichtigen Komplexität verstanden werden kann.
Critical Improvisation Studies
Die Methode der künstlerischen Improvisation wird im Rahmen von SPIIC+ als ein „explorativer Königsweg“ und weniger als ein bestimmter Zielpunkt gedacht. Die scheinbare Schöpfung „ex nihilo“, die in gewisser Weise das Grundprinzip improvisatorischen Handelns umschreibt, wirft zwangsläufig die Frage nach diesem vermeintlichen „Nichts“ auf und eröffnet damit das Feld der Critical Improvisation Studies, in dem sich diese Fragestellung in einem transdisziplinären akademischen Diskurs entfaltet. Dieser ist nicht nur richtungsweisend für die künstlerische Forschung im engeren Sinne, sondern ermöglicht auch neue Perspektiven auf vitale Aspekte gesellschaftlich-sozialer „Spielräume“ und deren ko-kreative Gestaltungsmöglichkeiten.
Transdisziplinärer Transfer
Der Transferprozess vollzieht sich dabei zwingend in beide Richtungen: Indem wir kreative künstlerische Prozesse und Interaktionsformen besser verstehen, können wir sie für die Gestaltung des sozialen und politischen Alltags nutzbar machen. Aber ein solches Verständnis ist nicht bloß theoretisch oder sprachlich-diskursiv vermittelbar: Erst durch eine aktive Teilhabe an künstlerisch-kreativen Prozessen werden diese erlebbar und im ganzheitlichen Sinne eines „embodiment“ nachvollziehbar – auch und gerade im Sinne einer konkreten und dauerhaften Handlungsmöglichkeit.
Das SPIIC+ Ensemble
Das SPIIC+ Ensemble ist ein wesentlicher Bestandteil des Projektes. Es besteht aus Studierenden verschiedener Studiengänge der HfMT Hamburg und dient sowohl als ein transdisziplinäres Kollektiv, das junge Musiker:innen und Performer:innen aus verschiedenen Disziplinen, musikalischen Traditionslinien und globalen Kulturkreisen miteinander in einen kreativen Austausch und Prozess bringt. Das ist ein wesentlicher Schritt in der Exploration und Erfahrung von Aspekten individueller, sozialer und künstlerisch-ästhetischer Individualität, Diversität, Solidarität und Vermittlung. Darüber hinaus ist das SPIIC+ Ensemble auch ein konkretes künstlerisch-soziales Instrument, mittels dessen die diversen konkreten SPIIC+ Projekte und Produktionen realisiert werden.
SPIIC+ und Künstliche
Intelligenz
SPIIC+ berücksichtigt eine Künstlerische Intelligenz als komplementären Gegenentwurf zur allgegenwärtigen Künstlichen Intelligenz. Die künstlerische Praxis wird so zum Gegenstand unseres Interesses und das Werk im Sinne eines finalen Ergebnisses tritt in den Hintergrund. Dieser Perspektivwechsel erlaubt es uns, die vielfältigen dynamischen, subjektiven und sozialen Prozesse und Interaktionsformen wahrzunehmen, die einen ko-kreativen künstlerischen Akt definieren und erst ermöglichen – und die als „human agency“ eine Entsprechung in alltäglichen gesellschaftlich-sozialen Interaktionen haben.
„Artistic Intelligence“ beschreibt in diesem Sinne ein Kollektiv selbstständiger Individuen, die sozial und empathisch miteinander verbunden sind. Durch ihre verkörperte künstlerische Kompetenz und ihre individuelle Lebenserfahrung sind sie in der Lage, moralisch reflektiert sowie selbstermächtigt allein und gemeinsam zu handeln.
Projekte und Formate
Das SPIIC-Projekt wurde als Teilprojekt von Stage_2.0 bereits 2018 im Rahmen der ersten Förderphase der Innovativen Hochschule gegründet und setzt seine Arbeit nun im Rahmen des ligeti zentrums fort.
SPIIC+ blickt somit auf eine lange Reihe und Kontinuität von vielbeachteten Aktivitäten und Projekten zurück, die stets einem transdisziplinären Transfer und der Initiierung neuartiger, tradierte Grenzen überschreitender künstlerisch-sozialer Erfahrungen verpflichtet waren und sind. Neben zahlreichen Konzerten, bei denen das sich stets neu konstituierende SPIIC+ Ensemble im Mittelpunkt steht, sind immer wieder auch Kollaborationen mit aktuellen Projekten im öffentlichen und digital-virtuellen Raum entstanden. Darüber hinaus gibt es eine kontinuierlich fortlaufende Reihe von SPIIC+ lecture concerts und Workshops mit internationalen renommierten Gästen. Zunehmend widmet sich SPIIC+ auch Projekten, die verschiedene künstlerische Disziplinen miteinander Verbinden – neben Musik und Klangkunst auch Tanz, Literatur und Film.